Im Verlauf des Zweiten Weltkriegs entwickelte sich der bewaffnete Widerstand gegen Besatzung und das Vichy-Regime zu einer der wirkmächtigsten innerstaatlichen Kräfte in Frankreich. Ab 1944 traten diese vielfältigen Widerstandsgruppen offiziell unter einer gemeinsamen Bezeichnung auf: den Forces françaises de l’intérieur (FFI). Diese „Französischen Streitkräfte im Inneren“ bündelten das militärische Potenzial der Résistance und wurden zu einem entscheidenden Faktor bei der Vorbereitung und Durchführung der Befreiung des Landes von der deutschen Besatzung.
Vor der offiziellen Entstehung der FFI bestand die französische Résistance aus zahlreichen, weitgehend autonomen Gruppen, die unterschiedlichste politische Hintergründe hatten und lokal agierten. Diese reichten von kommunistisch geprägten Partisanen über republikanisch geprägte Netzwerke bis zu ehemaligen Soldaten der Vorkriegsarmee. Die Idee, diese verstreuten Kräfte zu vereinen, gewann an Dringlichkeit, als der Widerstand wuchs und die alliierten Streitkräfte sich auf eine Invasion in Nordwesteuropa vorbereiteten.
Am 1. Februar 1944 wurden die unterschiedlichen Widerstandsorganisationen im besetzten Frankreich offiziell unter dem Dach der Forces françaises de l’intérieur zusammengeführt. Dieses Bündnis sollte Struktur und gemeinsame Zielsetzung schaffen, ohne die unterschiedlichen regionalen Traditionen vollständig zu nivellieren.
Die FFI standen nun nicht mehr nur für lokale Guerillakämpfe, sondern für eine koordinierte, militärisch orientierte Kraft, die aktiv zur Befreiung Frankreichs beitragen sollte, indem sie deutsche Nachschublinien störte, Geheimdiensterkenntnisse lieferte und lokale Aufstände organisierte.
Unter dem Oberbefehl von General Marie-Pierre Koenig gewann die FFI früh im Jahr 1944 an strategischer Bedeutung. Sie stellte eine Verbindung zwischen den lokalen Maquis-Einheiten und den regulären alliierten Streitkräften her und koordinierte zunehmend größere Aktionen gegen deutsche Besatzungstruppen.
Die FFI kämpften an zahlreichen Fronten, von Sabotageakten an Verkehrswegen zur Verzögerung deutscher Truppenverbände bis hin zur direkten Unterstützung alliierter Offensive. Besonders nach der Landung der Alliierten in der Normandie im Juni 1944 verstärkten sich ihre Aktionen. In vielen Regionen organisierten FFI-Kämpfer den Aufstand, blockierten Nachschubwege, sicherten strategisch wichtige Punkte und führten lokale Befreiungshandlungen durch.
Ein markantes Beispiel ist die Rolle der FFI bei der Befreiung von Lille im September 1944, wo sie zusammen mit britischen Truppen die Stadt von deutschem Einfluss befreiten und Kommunikationen der Besatzer systematisch störten.
Als immer mehr französische Gebiete von den Alliierten befreit wurden, änderte sich auch der Status der FFI. Ihre Mitglieder, die zuvor im Untergrund gekämpft hatten und oft nur improvisiert bewaffnet waren, begannen, sich zu formalisieren und militärisch zu organisieren. Viele FFI-Einheiten wurden als leichte Infanterie anerkannt und in die regulären Streitkräfte der neu entstehenden französischen Armee überführt.
Nach der Befreiung von Paris im August 1944 spielten die FFI eine symbolische und praktische Rolle: Sie halfen, die Ordnung in den befreiten Städten wiederherzustellen und dienten als Bindeglied zwischen Zivilbevölkerung und militärischer Administration. Ihre Integration in die reguläre Armee markierte zugleich das formelle Ende der Résistance als eigenständige militärische Bewegung.
Heute gelten die FFI als Repräsentation der breiten Widerstandsbewegung, die nicht nur militärisch gegen die Besatzung kämpfte, sondern auch das Selbstverständnis einer freien Nation inmitten eines grausamen Krieges mitgestaltete. Ihre Geschichte ist ein Schlüsselelement im kollektiven Gedächtnis des französischen Befreiungskampfes.






